5. Wir hatten wohl auch Zwangsarbeiter in Emden
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Das Kapitel "Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter" gehört zu den eher ungeliebten und unangenehmen Themen in Emden - wie überall. Wer die Jahre nach der Wiedervereinigung und der endgültigen Wiedererlangung der Souveränität verfolgt hat, kann sich auch an den großen Schrecken erinnern, der die deutsche Industrie befiel. Sollten doch auf einmal auch die Sklavenarbeiter, die nicht nur für die Kriegführung unerläßlich waren, sondern deren geronnene Arbeit zusammen mit den geraubten Gütern aus ganz Europa auch zu einem großen Teil zu dem gar nicht so verwunderlichen "Wirtschaftswunder" beitrugen, plötzlich entschädigt werden. Andernfalls drohten sie die Profiteure ihrer Erniedrigung mit milliardenschweren Klagen vor US-Gerichten zu überziehen. Eine ungeheuerliche Vorstellung für die Nachfolger und Erben aus der Nazi-Zeit. Und schon begannen sie ein würdeloses Feilschen um die Einrichtung einer Stiftung mit einem möglichst würdevollen Namen. In Emden war es zuerst nicht möglich, Anfragen von früheren Zwangsarbeitern zu beantworten, da die Unterlagen verschollen waren und erst nach einiger Zeit in der Stadtverwaltung wieder auftauchten. Gut 50 Jahre hatte es dazu gebraucht. Die Baracken, in die die Zwangsarbeiter eingesperrt waren, wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zueerst als Notunterkünfte genutzt und dann bald abgerissen. Das Gedächtnis an die Bilder der Kolonnen, die durch die Straßen getrieben wurden, schwand schnell. Aber einiges ist doch bekannt. Die Unterkünfte mit der Zahl der Internierten hat Dietrich Janssen in einer Übersicht auf der Homepage des Bunkermuseums zusammengefasst, zu finden unter A-Z " Fremd- und Zwangsarbeiter, "Zwangs- und Ausländerlager in Emden". http://www.bunkermuseum.de/gefallene_frames_1.htm Für die etwa 100 toten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, die in Emden entweder gestorben oder beerdigt sind, hat Michael Skoruppa eine Liste erstellt und immer wieder aktualisiert, zu finden entweder auf der oben angegebenen Homepage des Bunkermuseums unter "Fremdarbeiter" oder jetzt auch auf dieser Seite.
Ziegeleistraße heute
Stadtplan von 1939, Stadtarchiv Emden, mit Ziegeleistraße und Ziegelei Offiziell vergessen sind die fünf Ukrainer, die am 25.1.1944 in der Ziegeleistraße, auf dem Gelände der nahen damaligen Ziegelei, wegen Lebensmitteldiebstahls gehenkt wurden.
Für die 5 am 25.1.1944 in der Ziegeleistraße gehenkten Ukrainer gibt es nun einen weiteren Nachweis. Sie sind am 26.1.1944 beerdigt worden, wo, ist allerdings immer noch nicht bekannt. Man kann am rechten Rand beim genauen Hinsehen jeweils ein Fragezeichen sehen. Das bedeutet, dass der Ort der Bestattung nicht bekannt ist. Rechts oben im gelben Bereich steht: Emden (für den Todesort), darunter "Tod durch Erhängen" (Exekution). Wahrscheinlich hat man die fünf einen Tag lang hängen lassen, zur Abschreckung, sozusagen. Die letzte Sicherheit ist gegeben, es ist amtlich: in den Sterbeurkunden der Stadt Emden sind die fünf "Ostarbeiter" zu finden. Hier für einen der Gehenkten:
Das "Haltet-den-Dieb"-Denkmal
Am 20.7.2005 wurde an den Berufsbildenden Schulen I, in der Nähe der früheren Früchteburg-Lager ein Denkmal (oben links auf der Seite) errichtet. Über die Zwangsarbeit in Emden müsste noch viel geforscht werden. Das Stadtarchiv Emden arbeitet die Unterlagen auf, die es vor wenigen Jahre vom Einwohnermeldeamt bekommen hat. Das kostet bei deren Zustand viel Zeit und Geld. Auch an andere Einrichtungen wendet sich das Stadtarchiv, um noch Unterlagen über die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Emden zu bekommen. Dies war in den ersten Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg versäumt worden. Die Fraktionen im Emder Rat wollen Zwangsarbeiterkinder ehren, schrieb die EZ am 2.11.2007. Dies ist nun geschehen, am 28.11.2008.
Zwangsarbeiter und Kinder Übersicht hier
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Damals wie heute
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Die Angehörign der Herrenrasse wurden in der Ostfriesischen Tageszeitung vom 21.12.1941 eindringlich ermahnt, sich den Zwangsarbeitern auf keinen Fall zu nähern. "Polen gehören nicht in in die Hausgemeinschaft! Jeder Anmaßung fremdblütiger Arbeiter ist entgegenzutreten." Die Nationalsozialisten sorgten sich sehr um die Rassereinheit der deutschen Mädchen. "Völlig ausgeschlossen ist, daß seine (des Bauern, ms) Gehilfinnen an einer Diele in nächster Nähe des Polen schlafen... Es entspricht nicht der Würde eines deutschen Mädchens, daß es sich mit dem Polen in der gleichen Waschschüssel wäscht und mit ihm an einem Tisch sitzt und ißt. Wenn sich sonst das Miteinanderarbeiten auch nicht umgehen läßt, in die Hausgemeinschaft gehört der Pole nicht hinein." |
6. Das Schicksal des Roger Beyssac hat uns tief bewegt

Der fränzösische Elektriker Roger Beyssac (seine Mutter hieß Meunier) war während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeiter in Emden. Am 3.2.1944 starb er im Alter von 22 Jahren. Er war verunglückt, als er nach einem Luftangriff eine defekte Leitung reparierte. Seiner Mutter gelang es 1949, ihn von Emden nach Frankeich zu überführen. Sie bedankte sich bei der Stadt Emden mit dem abgebildeten Erinnerungsstein. Im Bunkermuseum sind ein umfangreicher Schriftwechsel und Pressestimmen vorhanden, die bis ins Jahr 1951 reichen.
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"Der Franzose Roger Meunier aus Paris, der von den Nationalsozialisten während des Krieges nach Deutschland verschleppt wurde, verstarb hier im Jahre 1944 an den Folgen eines Arbeitsunfalles und wurde auf dem Bolardus-Friedhof beigesetzt." Schreiben des Oberstadtdirektors vom 30.9.1949 "Mit Genugtuung nehmen wir zur Kenntnis, daß es Ihnen möglich sein wird, Ihren Sohn, den die Willkür der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft nach Deutschland verschlug und der hier an den Folgen eines tragischen Unfalls verstarb, in seine Heimat nach Paris zu überführen." Gleiches Schreiben, festgelegter Redetext für die Feier zur Überführung "Auch Du, Roger Meunier, gehörtest zu den Zivilpersonen, welche durch den unseligen Krieg ihr Leben lassen mußten." "Vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als letzten Gruß" "Ein junger französischer Zwangsarbeiter fand im Februar 1944 in Emden bei der Reparatur einer durch Bomben beschädigten Lichtleitung den Tod." Nordwestdeutsche Rundschau vom 6.10.1949 "Am 3. Februar 1944 verunglückte der junge französische Elektriker Roger Beyssac tödlich und wurde auf dem Bolardusfriedhof beigesetzt." Ostfriesen Zeitung vom 6.10.1949 "Madame Meunier, deren Sohn, wie erinnerlich, in Emden während des Krieges bei einem Luftangriff getötet wurde..." Rhein-Ems-Zeitung vom 19.2.1951 "Die Überführung des bei einem Luftangriff getöteten Franzosen war im vergangenen Jahr unter großer Anteilnahme der Emder vor sich gegangen." Ostfriesen Zeitung vom 26.2.1951 |
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Unsere tiefe Ergriffenheit hat nicht verhindern können, dass wir nach 1 1/2 Jahren seine Todesursache vergessen haben.