Die "Ubbo-Emmius-Gesellschaft e.V."
-Ein Name und seine Bedeutung-
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Was will die Ubbo-Emmius-Gesellschaft e.V.?
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Als uns etwa Mitte der neunziger Jahre eine Berliner Historikerin erste Kenntnis von den ursprünglich in DDR-Beständen lagernden und nun im Bundesarchiv untergebrachten Akten zur Geschichte des Emder Widerstandes und seiner Personen gab, waren wir bald schon überrascht von der Fülle und vor allem auch der Bedeutung der Informationen. Es wurde schnell klar, daß nur unter dem Dach einer organisierten Forschungsgruppe eine wirkliche Aufarbeitung aller Facetten der Tätigkeit der Hitlergegner möglich war. Denn der ursprünglich gesetzte Rahmen "Widerstand in Emden" ließ sich wegen der vielfältigen Verbindungen der Akteure innerhalb des nordwestdeutschen Raumes, hinüber in die Niederlande und sogar weiter im nordeuropäischen Maßstab nicht halten. Der eigentliche Anstoß zur Gründung eines "eingetragenen Vereins" kam übrigens auch von der Historikerin aus Berlin, die uns in den Anfängen sehr half. Was noch fehlte, war ein Name für die Gesellschaft, der unser Anliegen, die Untersuchung der Geschehnisse vor, während und nach der Nazizeit, schlüssig zum Ausdruck bringen könnte. Auf der Rückfahrt von einer Zusammenkunft mit holländischen Freunden in Termunterzijl im Juni 1999 wurde der Name "Ubbo-Emmius-Gesellschaft" vorgeschlagen. Der ostfriesische Gelehrte Ubbo Emmius wurde 1547 in Greetsiel geboren, ging in Emden zur Lateinschule, studierte in Rostock und Genf und wurde schließlich Rektor der Lateinschule in Norden. Er verlor dieses Amt jedoch wegen seines reformierten Glaubensbekenntnisses, das in einer lutherisch dominierten Gemeinde nicht geduldet werden konnte. Nach einer Zwischenstation an der Lateinschule in Leer wurde Emmius dann 1614 erster Rektor der Universität Groningen. Seine Verbindungen nach Ostfriesland blieben bestehen, besonders über eine enge Freundschaft mit dem Emder Politologen und Stadtsyndikus Johannes Althusius (Lehre vom Widerstandsrecht). Ubbo Emmius schrieb unter anderem eine berühmte "Friesische Geschichte" und vertrat in diesem Werk einen deutlich politischen Standpunkt. So deutlich, daß nach seinem Tode 1625 das Grafenhaus die von ihm verfasste "Geschichte unserer Zeit" bei Erscheinen 1733 auf dem Auricher Marktplatz verbrennen ließ. Der Name "Ubbo-Emmius" verband damit alle Anliegen unserer neuen Gesellchaft in hohem Maße: Geborener Ostfriese mit engen Beziehungen zu Emden, aber auch zu den Niederlanden; mit politischen Ansichten, zu denen er stand, selbst wenn es den Verlust von Amt und Würden bedeutete; sein Interesse für geschichtliche Abläufe mit einer deutlich demokratischen Ausrichtung; die teilweise Ächtung und sogar Verbrennung seiner Werke durch die politischen Gegner zur Folge hatte. All das scheint wie eine frühe Vorwegnahme der Schicksale vieler Hitlergegner während der Herrschaft der Faschisten 1933-45. Und wenn auch die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen des 17./18. Jahrhunderts scheinbar einen stärker kirchenpolitischen Charakter trugen, so waren sie doch Ausdruck eines erwachenden demokratisch/politischen Aufbegehrens gegen die Herrschaft des (größtenteils despotisch) regierenden Adels und des Klerus. Ubbo Emmius war ein Teil dieser fortschrittlichen Kräfte. Deshalb wählten wir für unsere Gemeinschaft den Namen "Ubbo-Emmius-Gesellschaft". Wir können nur hoffen, diesem Namen gerecht zu werden und daß unserer Nachforschungen zu einer Bereicherung des Wissens um die Geschichte - besonders der Emder während der dreißiger Jahre - führen wird.
Hans-Gerd Wendt |