Am 6.Mai fand in diesem Jahr das Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges auf dem Grabfeld des Konzentrationslagers Esterwegen statt. Professor Karam Khella, Historiker aus Hamburg und Herre van Dokkumburg von der Geert Sterringa Stichting Groningen sprachen zu den versammelten Antifaschisten. Die beiden ehemaligen KZ-Häftlinge Hans Lauter und Erwin Schulz, beide über 90, berichteten von ihrer Lagerhaft und den Lehren, die sie als Opfer des Nationalsozialismus nicht müde werden weiterzugeben.
Esterwegen 6.5.2006

Professor Khella machte darauf aufmerksam, dass am gleichen Tage, als der 2. Weltkrieg mit der deutschen Kapitulation zu Ende ging, der Algerien-Krieg begann. Im Vertrauen auf das Versprechen der Unabhängigkeit waren die Menschen auf die Straßen gegangen, um zu feiern, nur um niedergeschossen zu werden.

Seitdem herrscht an den verschiedensten Orten der Welt Krieg, heute an 45 Fronten.

Der Westen und die NATO haben es jedoch verstanden, nach dem Ende des Kalten

Krieges ihre Machtpositionen durch völkerrechtswidrige Kriege aufrecht zu erhalten und auszubauen. Dabei treten sie sogar dreist als Friedensstifter auf.

Es gilt, der NATO entgegenzutreten und den Menschen, die von den Medien getäuscht werden, immer wieder die wahren Zusammenhänge zu erklären.

Zur militärischen Gewalt treten in der 3.Welt Hunger und vielfacher Tod als Ergebnis einer ungerechten Ordnung der Weltwirtschaft.

Herre van Dokkumburg zeichnete das Leben Carl von Ossietzkys nach, dessen Verfolgung bereits in der Weimarer Republik begann. Er hatte die vertragswidrige Aufrüstung der Reichswehr an die Öffentlichkeit gebracht und war wegen Spionage und Verrat angeklagt und verurteilt worden.

Aus der Haft entlassen, wurde er jedoch kurze Zeit, nachdem den Faschisten die Macht übergeben worden war, in das KZ Esterwegen geschafft, dessen

berühmtester Häftling er war.

Während seiner Haftzeit erhielt er den Friedens-Nobelpreis und musste von den Nazis aufgrund vieler Proteste aus dem Ausland aus dem KZ entlassen werden. Er erholte sich nicht mehr von der erlittenen Qual und starb bald.

So wie die Ärzte einen Eid auf Hippokrates leisten, sollten die Journalisten einen Eid auf Carl von Ossietzky ablegen. Sie sollten als Ärzte der Demokratie dienen, indem sie die Täuschungen der Mächtigen aufdecken.

Hans Lauter (links) legte als ehemaliger Häftling des KZs Esterwegen wiederum ein Bekenntnis zum Humanismus ab, weswegen er in die KZ-Haft gekommen war.

Erwin Schulz berichtete von den Erfahrungen der Erniedrigungen, die den Häftlingen durch Grausamkeit und sinnlose Arbeit zugefügt wurden. Er sprach aber auch von der großen Solidarität unter den Gefangenen.

'The president makes decisions, he's the decider. The press secretary announces those decisions, and you people of the press type those decisions down.'

Der Präsident trifft die Entscheidungen, er ist der Entscheider. Der Pressesprecher gibt die Entscheidungen bekannt und ihr Presseleute tippt sie ab.

Stephen Colbert am 3.5.2006 zu Präsident Bush, ein wenig ironisch auch zu den Vertretern der Washingtoner Presse

Verehrter Präsident

Ich sende Euch ein Schreiben

Lest es oder lasst es bleiben

Wenn Euch die Zeit sehr brennt.

 

Man schickt mir da, gebt acht

Die Militärpapiere

Dass ich in den Krieg marschiere

Und das vor Mittwoch nacht.

 

Verehrter Präsident

Das werde ich nicht machen

Das wäre ja zum Lachen

Ich hab kein Kriegstalent.

 

Sei's Euch auch zum Verdruss

Ihr könnt mir's nicht befehlen

Ich will's Euch nicht verhehlen

Dass ich desertieren muss.

(Boris Vian)

Aus dem Aufruf zur Kundgebung

 

Das Übereinstimmende in allen Reden war das große Misstrauen gegenüber der Presse. Nach den Lügen und der Hetze der US-Presse vor dem Krieg und nach der Verschleierung der deutschen Beteiligung an Krieg und Folter durch deutschePolitik und Medien nach dem Krieg war das nicht verwunderlich.